| Heinrich-Hecht-Weg Expedition 2001 |
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![]() Nickerchen auf der Annaruhe (2508m), Blick in Richtung Süden auf den Stawipfel (2514m) |
Mit Anna wollen wir uns in 2508m Höhe zur Ruhe begeben. Dieses kleine, mit dichtem, hohem Gras bewachsene Plateau ist wie geschaffen für eine längere Pause. Offensichtlich wird das Plätzchen gerne auch von Greifvögeln als Verdauungsstation genutzt, wie zahlreiche Gewölle beweisen.
Leider ist es immer noch recht diesig, sodass entferntere Berge
nur schemenhaft wahrzunehmen sind. Dafür entschädigt der
eindrucksvolle Blick auf den Stawipfel (2514m) in unmittelbarer
Nachbarschaft. Ob der sich auch besteigen lässt?
![]() Blick von der Annaruhe etwa in Richtung Norden |
Seit längerer Zeit ist uns niemand mehr begegnet. Ein schöner Streckenabschnitt liegt nun vor uns und das Auf und Ab hält sich in Grenzen. Man kann seinen Blick weit schweifen lassen und wird nicht durch steil aufragende Anhöhen eingeengt. Die Sonne scheint und die Luft ist nun auch merklich klarer geworden. In der Ferne am äußersten Ende eines lang gestreckten langsam ansteigenden Tals kann man schon hin und wieder die Feldnerhütte sehen.
Das bleischwere Gepäck macht sich nun allerdings nach etwa
7 Stunden reiner Wanderzeit immer stärker bemerkbar. Die
Frische ist aus unseren Körpern gewichen, da helfen auch die
bewährten Müsliriegel nicht mehr.
Auf der Bratleiten Alm (2157m) etwa eine Stunde Fußmarsch vor
der Feldnerhütte, stoßen wir noch auf einen Senner,
der uns keines Blickes würdigt. Hat vielleicht die Schnauze
voll von den Wanderern, die allerdings hier im Kreuzeckmassiv auch
im Sommer nicht sehr zahlreich sind. Dafür leistet ihm sein
Ziegenbock in der sehr kleinen Hütte Gesellschaft.
Interessiert betrachten wir den selbst gebauten Blitzableiter
für den flachen, mit Profilblechen abgedeckten Stall und
vergeben das Prädikat: abenteuerlich.
![]() Auf dem Weg zur Feldnerhütte |
Gegen ca. 18 Uhr nach etwa elf Stunden seit unserem Aufbruch am frühen Morgen und schätzungsweise 8 Stunden reiner Gehzeit erreichen wir die Feldnerhütte (2182m). Hat man noch die urige Salzkofelhütte vor Augen, verbreitet die Feldnerhütte den Charme eines Neubaus aus der Vorstadtsiedlung. Sie ist nämlich 1988 nach einem durch Mäuse verursachten Kabelbrand zerstört und später wieder aufgebaut worden. Dafür ist sie aber recht malerisch an einem See gelegen, direkt unterhalb des hoch aufragenden Großen Kreuzecks (2701m).
Nun könnten wir versuchen, uns noch einmal einen
gemütlichen Abend im Minipackzelt mit Müsliriegeln
und Gummibärchen zu machen, entscheiden uns dann aber für
die komfortablere Variante (man ist schließlich nicht mehr
18) und fragen den Hüttenwirt, ob er noch ein Platzerl
für uns frei hat. Etwas unverständlich nuschelt er sich
in den Bart, warum die von der Salzkofelhütte nicht
Bescheid gesagt haben, (konnten sie ja gar nicht, wir waren ja heute
gar nicht dort) bietet uns dann aber noch zwei Betten im Schlafsaal
bei der Rentnertruppe an. Unsere ärgsten Befürchtungen,
dass wir wegen der schnarchenden Pensionisten (österr.)
nicht schlafen würden, da sie im Schlaf ganze Tropenwälder umhauen,
erwiesen sich im Nachhinein aber als grundlos.
Nachdem wir uns am Waschbecken frisch gemacht haben, eine Dusche
würde der Hüttenromantik sicherlich nicht schaden, lassen
wir es uns bei Vorsuppe, Lammbraten (!) mit Kartoffeln und
Spaghetti gut gehen. Dann genehmigen wir uns noch ein paar Biere
und Obstler zur Unterstützung des Wirtes, der seinen Umsatz
bzw. Gewinn in nur vier Monaten erwirtschaften muss. Die Preise
empfinden wir mit Blick auf die Entlegenheit der Hütte als
angemessen. Schließlich werden der Proviant und insbesondere
die Getränke zu Beginn der Saison einmal mit dem Hubschrauber
angeliefert. Für frische Nahrungsmittel steigt der Wirt einmal
wöchentlich ins Tal hinab- und natürlich wieder hinauf.
Vielleicht benutzt er auch eine Cross-Maschine und erzählt es
keinem.
Später am Abend beim Bier, während die Rentner Karten spielen, erkennen wir in den ausliegenden Büchern zahlreiche Alpenpflanzen wieder, die uns in den letzten Tagen am Wegesrand begegnet sind. Besonders beeindruckt uns eine Beschreibung über die Erstbesteigung des Großglockners um 1800 unter Verwendung mitgeschleppter Leitern (!). Dagegen war unsere Nacht im Minipackzelt offenbar ein Sanatoriumsaufenthalt.
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